Rosa vs. Blau – oder doch lieber Bunt?

Stereotype werden in der Psychologie als „Generalisierungen über eine Gruppe von Personen, wobei allen Mitgliedern dieser Gruppe die gleichen Merkmale zugewiesen werden“ definiert. Diese „starren, festgelegten Sichtweisen und Überzeugungen“ geben unserem Alltag eine gewisse Sicherheit und Zuverlässigkeit. Würde man uns allerdings auf der Straße nach einem bestimmten geschlechtsstereotypischen Verhalten oder Denkmuster befragen, so würden wir sicher von uns selbst denken, dass wir eine moderne, gleichberechtigte Sichtweise haben und die Klischees von Männern und Frauen längst überholt sind.

 

Aber wie kommt es dann, dass in den letzten Jahren gerade beim Kinderspielzeug die „Geschlechter-Trennung“ regelrecht forciert wird und wir an den Spielzeugregalen farbgerecht die rosa-Glitzerwelt und die blauen, technischen Abenteuer-Stationen präsentiert bekommen? Oder das es nach Jahrzehnten mit einem „geschlechtslosen“ Überraschungsei® auf einmal ein spezielles „rosa Ü-Ei®“ für Mädchen geben muss? Und in der Buchhandlung stehen die „Mädchen-Bücher“ in gesonderten Regalen, entfernt von den „Jungen-Abenteuern“. Da zählen nicht mehr die Interessen des Kindes oder ob das Spielzeug altersgerecht ist, sondern hauptsächlich das Geschlecht.

 

Die Spielzeugindustrie und diverse Fachleute sind der Meinung, die sozialen gesellschaftlichen Rollenmuster beeinflussen unser Verhalten und somit auch eine gewisse geschlechtsspezifische Erziehung, die bereits im Vorschulalter so geprägt wird, dass „Mädchen lieber mit Mädchen spielen“ und die „Jungs lieber mit Jungs“. Und dieses Spielverhalten wird mit dem passenden Spielzeug fortgesetzt und somit bereits früh die gewünschten geschlechtsspezifischen Verhaltensmuster erlernt: Mädchen sollen lieb und gutaussehend sein, Jungs die starken Karriere-Macher. Kulturwissenschaftler sehen die geschlechtlichen Unterschiede als erlernte "soziale Konstrukte" an, Biologen und Hirnforscher sind der Meinung, vieles sei "von der Biologie vorherbestimmt".

 

Wie kommt es dann aber, dass früher (1970er/80er Jahre) beispielsweise Barbie™ einen ansehnlichen Beruf hatte, statt wie heute als „rosa Dummchen“ mit einem Pudel in ihrer Villa am Strand zu sitzen? Oder das LEGO® ein technisches Spielzeug für Jungs und Mädchen war, ohne extra geschlechtsspezifische Figuren- oder Farb- Sortimente?

 

Schon bei den Neugeborenen muss anscheinend unbedingt eine genaue Geschlechter-Zuordnung von außen stattfinden können – anders kann ich mir die vielen Neugeborenen- und Baby-Bekleidungen in strahlendem Pink und Blau nicht erklären.

 

Wenn wir selbst doch längst den ewigen "Geschlechter-Emanzipations-Krieg" überstanden haben wollen, in Zeiten von angenommener Elternzeit für die Väter und „Frauenquote“ für die Führungsebene, wie erklären wir uns dann diesen Rückwärtsgang zu klischeebehafteterem Denken, als es ihn vermutlich vorher jemals gegeben hat?! Die Antwort heißt: „Gender sells!“ … und wir bezahlen es!!!

Marktforscher und Industrie bestätigen, dass sich die spezifischen Produkte einfach besser verkaufen bzw. die Firmen damit mehr Umsatz machen können. Die Genderforscherin Stevie Schmiedel wehrt sich mit ihrer Initiative „Pinkstinks“ gegen diese geschlechtsspezifischen Spielzeuge – wenn man mehr darüber wissen möchte, kann man sich auf der Seite https://pinkstinks.de/ weiter über diese Initiative informieren.

 

Ich persönlich kann (mit Stolz) sagen, dass wir bislang dieses „Problem“ nicht haben, denn meine Töchter spielen sowohl gerne mit ihren LEGO®-Bausteinen, die bunt und nicht rosa sind, als auch mit ihren Puppen und den Autos. Und auch im Kindergarten sind die Jungs genauso fest in ihre Spielgruppe integriert, wie die Mädchen. Und Fußball spielen ist genauso toll, wie in der Küche zu helfen… ich bin der Meinung, dass es, genauso wie in vielen anderen Erziehungs- und Lebensbereichen, auch hier an der eigenen Einstellung der Eltern liegt, was wir unseren Kindern vermitteln, mitgeben, beibringen – sehen wir die Welt vielleicht selbst in „Blau“ und „Rosa“, dann fehlt uns eben auch die „Bunte Perspektive“.

 

Quellen:

Definition „Stereotype“: Zimbardo, P.; Gerrig, J. (16. Aufl., 2004). „Psychologie“, Kapitel 18.3.2., Seite 818; Fröhlich, W. (25. Aufl., 2005). „Wörterbuch Psychologie“, Seite 455 Artikel-Quellen:

http://www.tagesspiegel.de/wissen/interview-stereotype-geschlechterbilder-schaden/1149176.html

http://www.merkur-online.de/welt/geschlechter-stereotype-charlotte-beschwert-sich-lego-3348316.html

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/kulturjournal/pinkstinks103.html

http://www.kompetenzz.de/Aktuelles/Geschlechterstereotype-und-Spielzeug

http://www.welt.de/lifestyle/article106396430/Konsequente-Geschlechtertrennung-im-Kinderzimmer.html

http://www.zeit.de/zeit-magazin/2014/49/spielzeug-gender-marketing

https://pinkstinks.de/


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Kommentare: 6
  • #1

    Torsten Schneider (Samstag, 25 April 2015 10:59)

    sehr interessant geschrieben, regt zum nachdenken an

  • #2

    Marion G. (Samstag, 25 April 2015 11:25)

    Meine Jungs (5 Jahre und 8 Jahre) sind wirklich typische Jungs und spielen auch lieber mit Jungs-Sachen. Am liebsten Fussball. Ist aber auch schwer was anderes als die Freunde von den Jungs zu machen. Trotzdem achte ich beim kaufen gar nicht auf extra Spielzeug für Jungs oder Mädchen – meist kommt das ganz automatisch, daß es was mit Technik oder Fussball ist, weil sie das haben wollen. Aber wir haben auch viele Sachen mit Tieren, daß ist Geschlechtsunabhängig 

  • #3

    Stefan Sowieso (Samstag, 25 April 2015 12:05)

    Alles Quatsch! Warum muss man heute überhaupt über so was noch diskutieren?

  • #4

    Tomas (Samstag, 25 April 2015 14:03)

    Finds auch super geschrieben! Die wichtigsten Aussagen aus den Artikeln werden gut auf den Punkt gebracht wiedergegeben! Hab zwar keine Kinder, aber sollte ich mal welche haben, finde ich die ganze Seite sehr informativ.

  • #5

    Sabrina Hopener (Samstag, 25 April 2015 17:10)

    Mich ärgern diese ganzen rosa-Klischees auch ungemein! Als wir klein waren, hatten wir auch alle dasselbe Spielzeug - die Mädchen vielleicht mehr Puppen, die Jungs vielleicht mehr Autos, aber lange nicht so extrem, wie heutzutage. Und wozu? Meine Kinder spielen auch lieber mit den bunten Sachen und zum Glück gibts da ja auch noch ne Menge Auswahl an Produkten (Kuscheltiere, Holzspielzeug, Bauklötze, Lernspiele etc.). Viel Erfolg weiterhin mit dieser tollen Seite!

  • #6

    Heike Grewelen (Montag, 27 April 2015 08:39)

    Hallo, ich bin per Zufall auf Ihre Seite geraten und finde sie wirklich toll. Auch die Blog-Artikel finde ich Klasse geschrieben, gerade auch diesen hier. Schön, dass es noch Leute gibt, die sich Gedanken um ihre Kinder und deren Zukunft machen, wo doch so vieles an Bedeutung dank Schnelllebigkeit und Massen-Konsum verloren hat. Machen Sie weiter so!