INFOS: Spielpsychologie



"Warum spielen wir?"

Diese Frage klingt sehr einfach und die meisten würden sie wahrscheinlich ganz simpel beantworten:
„Weil es Spaß macht!“

Aber historisch und auch psychologisch gesehen ist diese Frage nicht ganz so leicht zu beantworten, denn die Wurzeln des „Spiels“ sind in uns Menschen evolutionär und kulturell stark verwachsen.

 

Es gibt eine ganze Spielwissenschaft, die sich mit den einzelnen Aspekten der Spielpsychologie, Spielpädagogik, Spieldidaktik, Spielmethodik und der allgemeinen Geschichte des Spiels bzw. der Spielsoziologie beschäftigt. Aber keine Angst: es würde den Rahmen sprengen, wenn ich jetzt jede einzelne Theorie über das menschliche Spielverhalten hier wiedergeben müsste. Deshalb möchte ich mich auf die wesentlichen und interessantesten Punkte konzentrieren und diese in sehr kurzer Form erläutern, damit wir auch mal aus "pädagogisch-psychologischer Perspektive" erfahren können, warum das "Spielen" für die Entwicklung eines Kindes so wichtig ist...

 

Da er wohl mit der bekannteste Vertreter der Psychologie ist, möchte ich mit der Ansicht Freuds (1920) anfangen, denn seine Betrachtungsweise von „Spielen“ werden wahrscheinlich auch heute noch viele nachvollziehen können. Für Sigmund Freud war das „Spielen“ eine Art „Flucht“ aus der Realität. Da wir ständig den gesellschaftlichen Regeln und Zwängen untergeordnet seien, erschaffen wir uns im Spiel eine neue „Wunschwelt“/“Fantasie-Welt“, in der wir sein können und dürfen, wie wir sein wollen. Das habe nicht nur den Zweck, unsere menschlichen, triebhaften Bedürfnisse, wie zum Beispiel gewisse Aggressionen oder geheime Wünsche auszuleben, sondern ermögliche laut Freud auch das Verarbeiten von bestimmten Konflikten. Ein anderer großer Name in der Entwicklungspsychologie ist Jean Piaget (1969), der das "Spielen" vor allem als Nachahmung (z.B. das Verhalten der Eltern) und als Erlernen von einem gewissen Rollenverhalten (in der Gesellschaft) betrachtet hat. Und in diesem Zusammenhang möchte ich auch schon einen dritten Namen nennen: Lew Wygotski (1933). Wygotski sah das "Spiel" als die Wunscherfüllung des Kindes an, so zu sein wie seine Eltern. Im "Spiel" könne man in jede Rolle schlüpfen und alles sein, was man wolle und sich vorstellen kann.

 

Um diese und alle anderen Theorien auf eine Basis zu bringen, kann man sagen, dass das „Spiel“ ein Ausdruck und eine Form der kognitiven und motorischen Entwicklung ist. Wir lernen spielerisch, wie die Welt funktioniert und können uns in unserer Fantasiewelt frei entfalten. Auch kann das "Spielen" uns helfen, mögliche Probleme oder innere Konflikte zu realisieren und zu be- oder verarbeiten. Im "Spiel" können wir uns aber auch ebenso gut einfach entspannen, die Zeit vergessen und uns unseren Wünschen überlassen. Es ist aber auch ein „sich ausprobieren und anpassen“ lernen, wie wir zum Beispiel auch im Tierreich am Spielverhalten kleiner Löwen sehen können. Im Duden wird deshalb der Begriff „Spiel“ auch als „zweckfreies Tun“ der Erwachsenen beschrieben und für Kinder als „grundlegende Form der Auseinandersetzung mit der Umwelt“. Das "Spiel" dient der „Bewältigung der Realität“.

 

Die vielen einzelnen Spiel-Varianten lassen sich in folgende Bereiche gliedern:

 

  • Spielend Kontakte knüpfen (Kennenlernspiele)
  • Spielend sich bewegen (Bewegungsspiele)
  • Spielend seine Sinne erproben (Wahrnehmungsspiele)
  • Spielend sich messen (Wettspiele)
  • Spielend Abenteuer erleben (Abenteuerspiele)
  • Spielend Probleme lösen (Denkspiele)
  • Spielend sich entspannen (Entspannungsspiele)
  • Spielend ein anderer sein (Rollenspiele)
  • Spielend lernen (Lernspiele)
  • Spielend sein Glück versuchen (Glücksspiele)
  • Spielend bauen und konstruieren (Konstruktionsspiele)
  • Spielend in virtuelle Welten eintauchen (Elektronikspiele)
  • Spielend früheren Zeiten begegnen (Historische Spiele)
  • Spielend anderen Völkern begegnen (Kulturanthropologische Spiele)

 

Das "Spielen" gehört also nicht nur historisch gesehen mit zu den menschlichsten Verhaltensstrukturen, sondern ist auch biologisch fest in uns verankert und gehört sozusagen zu dem natürlichsten (sozialen) Entwicklungsverhalten des Menschen.

Das Spiel ist für die Entwicklung des Kindes eine zentrale Tätigkeit“[Oerter, R., 1999].

Schön, dass "Spielen" aber auch einfach richtig viel Spaß machen kann!

 

Quellen:

Heckhausen, H. (1963/64). Entwurf einer Psychologie des Spielens. Psychologische Forschung, 27, 225-243. Springer Verlag.

Oerter, R. (1999). Zur Psychologie des Spiels. Weinheim: Beltz.

Zimbardo, P.; Gerrig, J. ( 2004). Psychologie. Pearson Studium.

Duden-Lexikon P-Z (Band 3, 7. Auflage). „Spiel“. Zürich: Bibliographisches Institut.

http://de.wikipedia.org/wiki/Entwicklungspsychologie

http://de.wikipedia.org/wiki/Spiel

http://de.wikipedia.org/wiki/Spielwissenschaft



"Freies Spielen"

Wir wissen nun, dass Spielen für die gesamte Entwicklung eines Kindes wichtig ist – nicht nur für die geistige und motorische Entwicklung, sondern auch um soziale Fähigkeiten und Selbstsicherheit zu erlernen.

 

Deshalb ist es auch von Bedeutung, WIE ein Kind spielt und das es ausreichend „Spielraum“ dabei hat. Damit ist aber nicht die Größe eines Zimmers gemeint, sondern vielmehr die Möglichkeit, sowohl in einer sicheren Umgebung, als auch frei und selbstbestimmt spielen zu können. Ständige Einschränkungen oder dauerhaftes „Nein-sagen“ hemmt die „Spiel-Lust“ und damit auch die normale Entwicklung.

 

Das Spielzeug sollte möglichst vielseitig verwendbar oder erweiterbar sein und insbesondere dem kindlichen Entwicklungsstand entsprechen, damit dieses weder über-, noch unterfordert wird und dadurch zusätzlich die Lust am Spielen verlieren würde.

 

Auch braucht es keine Massen an Spielwaren – die Qualität ist weitaus entscheidender und der erwiesen beste Spielplatz ist meist sowieso die freie Natur, die in Form eines kleinen Steinchens bis hin zur großen Matschpfütze die besten Spiel-Ideen hervorbringt.

 

Ein Kind sollte Entdecker, Forscher und Erbauer/Erschaffer zugleich sein können – nur dadurch kann es seine gesunde Neugier an den alltäglichen Dingen in Erfahrungen verwandeln, aus denen wiederum Selbstsicherheit entsteht.

 

Im Spiel mit anderen Kindern erlernt es zudem soziale Regeln im gemeinsamen Umgang miteinander. Lernt, Konflikte zu lösen oder auch Kompromisse einzugehen. Aber auch die Eltern (oder Bezugspersonen) haben eine wichtige Rolle im Spielverhalten, gerade bei Kleinkindern, die oft die (Spiel-)Nähe zu ihren Eltern brauchen. Durch die Geborgenheit, die Aufmerksamkeit und das Interesse der Eltern am Spiel des eigenen Kindes wird ebenfalls dessen Selbstvertrauen gestärkt, sowie die Ausdauer und Konzentration gefördert. Das macht das Kind innerlich stark und es lernt dadurch auch besser, seine eigenen Emotionen zu kontrollieren.

 

Aber, wie in meinem ersten Artikel („Warum spielen wir?“) bereits gesagt: natürlich sollte man bei jeder psychologisch-pädagogischen Betrachtung und Definition eines nicht vergessen: Spielen macht außerdem einfach Spaß! Und was Spaß macht, tut uns gut – egal, in welchem Alter!!!

 

Quelle: ©2014 Gruner + Jahr AG & Co KG; „Eltern“-Ratgeber "Spielend die Welt erobern: Welche Anregungen Kinder brauchen - Was sie beim Spielen lernen";
Autorin: Ulla Arens: "Kleine Entdecker"



Das "Recht auf freies Spielen" für alle Kinder und Jugendliche wurde wie folgt gesetzlich festgehalten:

Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention:

Beteiligung an Freizeit, kulturellem und künstlerischem Leben; staatliche Förderung

 

(1) Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf Ruhe und Freizeit an, auf Spiel und altersgemäße aktive Erholung sowie auf freie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben.

 

(2) Die Vertragsstaaten achten und fördern das Recht des Kindes auf volle Beteiligung am kulturellen und künstlerischen Leben und fördern die Bereitstellung geeigneter und gleicher Möglichkeiten für die kulturelle und künstlerische Betätigung sowie für aktive Erholung und Freizeitbeschäftigung.


Quelle: http://www.national-coalition.de/pdf/UN-Kinderrechtskonvention.pdf; http://www.unicef.de/ueber-uns/unicef-und-kinderrechte; http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/_C3_9Cbereinkommen-_C3_BCber-die-Rechte-des-Kindes,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf


Eine Ganz besondere Empfehlung von spielzeug-check:

KIKA-Moderator André Gatzke: »Das André-Spielebuch«

Dass der KiKA-Moderator André Gatzke, besonders bekannt aus der „Sendung mit dem Elefanten“, für sein Leben gern spielt und Spiele auch sammelt, hat er schon öfter unter Beweis gestellt. Mittlerweile hat André Gatzke, der sich auch privat in vielen verschiedenen Organisationen für Kinder engagiert, nach eigenen Angaben so viele Spiele gesammelt, dass er sich einen Traum erfüllt und ein Buch daraus gemacht hat. »Das André Spielebuch« steckt voller unkomplizierter Spielideen, die Kinder direkt und ohne viel Aufwand umsetzen können. Insgesamt beinhaltet das Buch 365 Spiele fürs ganze Jahr, gespickt mit einer Portion „André“.

 

www.andregatzke.de

 

 

 

 

BUCHBESCHREIBUNG:

Das André-Spielebuch -  365 Spiele für jeden Tag

Andrés umfangreiche Spielesammlung ist kunterbunt, in jeder Lebenslage einsetzbar und braucht keinerlei Vorbereitung. Gespielt werden kann überall und sofort, egal, ob drinnen oder draußen, alleine oder zu mehreren, laut oder leise ...

 

Der Moderator André Gatzke kennt sich aus mit Spielen und weiß, wie Kinder ticken. Als ausgebildeter Ergotherapeut, Vater und Moderator hat er viel Erfahrung, welche Spiele gut funktionieren und worauf es dabei ankommt: Es muss schnell zur Sache gehen, Spiele dürfen nicht kompliziert und in ganz unterschiedlichen Situationen umsetzbar sein. So hat er 365 Spiele gesammelt, Spielvarianten entwickelt und neue Spiele erfunden, mit denen Kinder ihre Geschicklichkeit, Beweglichkeit und Denkfähigkeit trainieren können. Einige sind auch einfach Quatsch, der Spaß macht.

 

Das Buch ...

• enthält 365 Spiele für jeden Tag im Jahr, kurz erläutert und schnell gespielt

• ist aufwendig und modern gestaltet in einer Mischung aus rund 200 Illustrationen und 50 Fotos

• ist ein wunderbares Geschenk für Kinder und alle, die mit Kindern zu tun haben

 

Die Spiele ...

• werden frisch und locker erklärt, sprechen Kinder direkt an

• sind spielbar zu Hause, bei Geburtstagsfeiern, wenn es mal für Kinder langweilig wird, und an allen anderen Orten, wo Kinder unterwegs sind.

• können allein, mit Freunden, Geschwistern und Eltern gespielt werden

• sind auch geeignet für Kita, Vorschule, Grundschule sowie für die Freizeitpädagogik

 

Autor: André Gatzke

Titel: Das André-Spielebuch

365 Spiele für jeden Tag

Mit Illustrationen von Kristine Schulz

Buch 384 Seiten, ISBN:978-3-407-75407-3, empfohlen ab 5 Jahre.

 

Info-Quellen: http://www.familieundco.de/der-infoletter

http://www.beltz.de/kinder_jugendbuch/produkte/produkt_produktdetails/29074-das_andre_spielebuch.html

© 2015 Verlagsgruppe BELTZ

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LEGO: Wichtigkeit des Erwerbs von Schlüsselkompetenzen

 

Auch die LEGO Group widmet sich besonders mit den LEGO Duplo-Produkten der Wichtigkeit der Spielpsychologie. Deshalb möchte ich hier einen sehr interessanten aktuellen Text dazu aus dem LEGO-Newsroom vom 07. Juli 2015 präsentieren:

 

 

Spielerisch die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts meistern

Die Kinder von heute werden im Erwachsenenalter vor Herausforderungen stehen, von denen wir jetzt noch nicht einmal wissen, dass es sie geben wird. In einer sich kontinuierlich wandelnden Gesellschaft sind daher immer mehr Schlüsselkompetenzen gefragt. Sie helfen dabei, sich neuen Anforderungen anzupassen. Diese Fähigkeiten werden auch als „21st Century Skills“ bezeichnet. Dahinter verbergen sich unter anderem Kreativität, Lösungskompetenz, Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie Empathie. Der Grundstein für diese Fähigkeiten wird bereits im Kindesalter gelegt.[1]

Laut Psychologe Scott Barry Kaufman ist kindliches Spielen ein entscheidender Faktor für die Ausbildung dieser Schlüsselkompetenzen. Hier leisten auch Konstruktionsspielzeuge wie LEGO DUPLO Sets einen Beitrag. Sie verbinden Objekt- und Fantasiespiel und fördern so spielerisch und mit jeder Menge Spaß die Entwicklung der „21st Century Skills“.

 

Spielen als Grundlage für die Schlüsselkompetenzen der Zukunft

Die Ausbildung der „21st Century Skills“ im frühen Kindesalter lässt sich spielerisch unterstützen. Denn gerade die Lieblingsbeschäftigung der Kleinen – das Spielen – bietet zahlreiche Möglichkeiten, diese Fähigkeiten zu entfalten. Das betont auch der Psychologe Scott Barry Kaufman, wissenschaftlicher Direktor des „Imagination Institute“ an der Universität von Pennsylvania: „Spielen macht Spaß und ist die einfachste, natürlichste und schönste Weise, unbewusst und ganz nebenbei zu lernen. Es ist die kindliche Art, die Welt auf fantasievolle Weise zu erkunden und im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen.“ Daher sei es wichtig, Kindern reichlich Raum zum Spielen zu geben, so der Experte weiter. Doch obwohl Spielen wichtig ist, geht die Zeit, die Kinder damit verbringen, mehr und mehr zurück. Kinder spielen heute etwa acht Stunden weniger pro Woche als noch vor zwei Jahrzenten.[2]

Im Spiel, sagt Kaufman, erlernen Kinder viele Grundlagen, die es ihnen leichter machen, sich auf immer neue Situationen einzustellen. „Dabei ist sowohl die Beschäftigung mit Objekten, wie beispielsweise das Bauen mit LEGO Steinen, als auch das Eintauchen in Fantasiewelten von Bedeutung“, hebt der Psychologe hervor.

 

Objekt- und Fantasiespiel: mit viel Spaß lernen

Das Spielen mit Bausteinen & Co. hilft Kindern bei der Entwicklung von Lösungsstrategien, bildet Kommunikationsfähigkeit aus und stärkt ihre Empathie. Außerdem erfordert es nicht nur Kreativität, sondern regt sie auch an. Bereits die Kleinsten ab 18 Monaten können diese Erfahrungen mit den LEGO DUPLO Sets machen. Die bunten Steine wecken die Neugier, fördern die Vorstellungskraft und ermöglichen es jedem Baumeister, neue, überraschende und einzigartige Werke zu schaffen. Das Bauen und Spielen mit Bausteinen bildet neben der Kreativität auch Lösungskompetenzen aus. So stapeln kleine Kinder unermüdlich Steine aufeinander und finden durch „Versuch und Irrtum“ heraus, wie sie bauen müssen, damit ihre Konstruktion nicht umfällt.

Forschungen des amerikanischen Wissenschaftlers Fergus Peter Hughes unterstreichen die von Kaufman formulierte Bedeutung von fantasievollem Spiel. Sie zeigen, dass das Schaffen imaginativer Welten, und ganz konkret kindliche Rollenspiele, ein wichtiges Training für soziale Fähigkeiten wie Empathie, Kommunikation und Lösungskompetenz ist.[3]

Egal ob als Feuerwehrmann, Elternteil oder Superheld – im Spiel schlüpfen Kinder in die Rollen verschiedener Charaktere. Der damit einhergehende Perspektivenwechsel stärkt ihre Empathie. In Interaktion mit Eltern, Geschwistern und Freunden lernen sie zudem, wie sie ihre Ziele erreichen können, und erleben, was Diplomatie, Kompromisse und soziale Kompetenz bedeuten. Auch über das Kleinkindalter hinaus ermöglichen die vielfältigen LEGO Produkte altersgerechtes Spielen und unterstützen die Ausbildung relevanter Kompetenzen. Kinder jeden Alters können individuelle Bauwerke schaffen, ins Rollenspiel eintauchen und so ihre Fähigkeiten für die Herausforderungen der Zukunft spielend stärken.

 

 

[1]Partnership for 21st Century Skills, 2008; Hirsch-Pasek & Golinkoff, 2003

[2]Elkind, 2008, zitiert nach Dr. Rachel E. White for Minnesota Children’s Museum, „The Power of Play“, 2012, Seite 5

[3]Hughes, F. P.: Children, play, and development, 1999

 

©2015 The LEGO Group // LEGO, das LEGO Logo, DUPLO und die Minifigur sind Marken der LEGO Gruppe. 

Warum spielen wir?

Diese Frage klingt sehr einfach und die meisten würden sie wahrscheinlich ganz simpel beantworten:
„Weil es Spaß macht!“

Aber historisch und auch psychologisch gesehen ist diese Frage nicht ganz so leicht zu beantworten, denn die Wurzeln des „Spiels“ sind in uns Menschen evolutionär und kulturell stark verwachsen.

 

Es gibt eine ganze Spielwissenschaft, die sich mit den einzelnen Aspekten der Spielpsychologie, Spielpädagogik, Spieldidaktik, Spielmethodik und der allgemeinen Geschichte des Spiels bzw. der Spielsoziologie beschäftigt. Aber keine Angst: es würde den Rahmen sprengen, wenn ich jetzt jede einzelne Theorie über das menschliche Spielverhalten hier wiedergeben müsste. Deshalb möchte ich mich auf die wesentlichen und interessantesten Punkte konzentrieren und diese in sehr kurzer Form erläutern, damit wir auch mal aus "pädagogisch-psychologischer Perspektive" erfahren können, warum das "Spielen" für die Entwicklung eines Kindes so wichtig ist...

 

Da er wohl mit der bekannteste Vertreter der Psychologie ist, möchte ich mit der Ansicht Freuds (1920) anfangen, denn seine Betrachtungsweise von „Spielen“ werden wahrscheinlich auch heute noch viele nachvollziehen können. Für Sigmund Freud war das „Spielen“ eine Art „Flucht“ aus der Realität. Da wir ständig den gesellschaftlichen Regeln und Zwängen untergeordnet seien, erschaffen wir uns im Spiel eine neue „Wunschwelt“/“Fantasie-Welt“, in der wir sein können und dürfen, wie wir sein wollen. Das habe nicht nur den Zweck, unsere menschlichen, triebhaften Bedürfnisse, wie zum Beispiel gewisse Aggressionen oder geheime Wünsche auszuleben, sondern ermögliche laut Freud auch das Verarbeiten von bestimmten Konflikten. Ein anderer großer Name in der Entwicklungspsychologie ist Jean Piaget (1969), der das "Spielen" vor allem als Nachahmung (z.B. das Verhalten der Eltern) und als Erlernen von einem gewissen Rollenverhalten (in der Gesellschaft) betrachtet hat. Und in diesem Zusammenhang möchte ich auch schon einen dritten Namen nennen: Lew Wygotski (1933). Wygotski sah das "Spiel" als die Wunscherfüllung des Kindes an, so zu sein wie seine Eltern. Im "Spiel" könne man in jede Rolle schlüpfen und alles sein, was man wolle und sich vorstellen kann.

 

Um diese und alle anderen Theorien auf eine Basis zu bringen, kann man sagen, dass das „Spiel“ ein Ausdruck und eine Form der kognitiven und motorischen Entwicklung ist. Wir lernen spielerisch, wie die Welt funktioniert und können uns in unserer Fantasiewelt frei entfalten. Auch kann das "Spielen" uns helfen, mögliche Probleme oder innere Konflikte zu realisieren und zu be- oder verarbeiten. Im "Spiel" können wir uns aber auch ebenso gut einfach entspannen, die Zeit vergessen und uns unseren Wünschen überlassen. Es ist aber auch ein „sich ausprobieren und anpassen“ lernen, wie wir zum Beispiel auch im Tierreich am Spielverhalten kleiner Löwen sehen können. Im Duden wird deshalb der Begriff „Spiel“ auch als „zweckfreies Tun“ der Erwachsenen beschrieben und für Kinder als „grundlegende Form der Auseinandersetzung mit der Umwelt“. Das "Spiel" dient der „Bewältigung der Realität“.

 

Die vielen einzelnen Spiel-Varianten lassen sich in folgende Bereiche gliedern:

 

  • Spielend Kontakte knüpfen (Kennenlernspiele)
  • Spielend sich bewegen (Bewegungsspiele)
  • Spielend seine Sinne erproben (Wahrnehmungsspiele)
  • Spielend sich messen (Wettspiele)
  • Spielend Abenteuer erleben (Abenteuerspiele)
  • Spielend Probleme lösen (Denkspiele)
  • Spielend sich entspannen (Entspannungsspiele)
  • Spielend ein anderer sein (Rollenspiele)
  • Spielend lernen (Lernspiele)
  • Spielend sein Glück versuchen (Glücksspiele)
  • Spielend bauen und konstruieren (Konstruktionsspiele)
  • Spielend in virtuelle Welten eintauchen (Elektronikspiele)
  • Spielend früheren Zeiten begegnen (Historische Spiele)
  • Spielend anderen Völkern begegnen (Kulturanthropologische Spiele)

 

Das "Spielen" gehört also nicht nur historisch gesehen mit zu den menschlichsten Verhaltensstrukturen, sondern ist auch biologisch fest in uns verankert und gehört sozusagen zu dem natürlichsten (sozialen) Entwicklungsverhalten des Menschen.

Das Spiel ist für die Entwicklung des Kindes eine zentrale Tätigkeit“[Oerter, R., 1999].

Schön, dass "Spielen" aber auch einfach richtig viel Spaß machen kann!

 

Quellen:

Heckhausen, H. (1963/64). Entwurf einer Psychologie des Spielens. Psychologische Forschung, 27, 225-243. Springer Verlag.

Oerter, R. (1999). Zur Psychologie des Spiels. Weinheim: Beltz.

Zimbardo, P.; Gerrig, J. ( 2004). Psychologie. Pearson Studium.

Duden-Lexikon P-Z (Band 3, 7. Auflage). „Spiel“. Zürich: Bibliographisches Institut.

http://de.wikipedia.org/wiki/Entwicklungspsychologie

http://de.wikipedia.org/wiki/Spiel

http://de.wikipedia.org/wiki/Spielwissenschaft


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Rosa vs. Blau – oder doch lieber Bunt?

Stereotype werden in der Psychologie als „Generalisierungen über eine Gruppe von Personen, wobei allen Mitgliedern dieser Gruppe die gleichen Merkmale zugewiesen werden“ definiert. Diese „starren, festgelegten Sichtweisen und Überzeugungen“ geben unserem Alltag eine gewisse Sicherheit und Zuverlässigkeit. Würde man uns allerdings auf der Straße nach einem bestimmten geschlechtsstereotypischen Verhalten oder Denkmuster befragen, so würden wir sicher von uns selbst denken, dass wir eine moderne, gleichberechtigte Sichtweise haben und die Klischees von Männern und Frauen längst überholt sind.

 

Aber wie kommt es dann, dass in den letzten Jahren gerade beim Kinderspielzeug die „Geschlechter-Trennung“ regelrecht forciert wird und wir an den Spielzeugregalen farbgerecht die rosa-Glitzerwelt und die blauen, technischen Abenteuer-Stationen präsentiert bekommen? Oder das es nach Jahrzehnten mit einem „geschlechtslosen“ Überraschungsei® auf einmal ein spezielles „rosa Ü-Ei®“ für Mädchen geben muss? Und in der Buchhandlung stehen die „Mädchen-Bücher“ in gesonderten Regalen, entfernt von den „Jungen-Abenteuern“. Da zählen nicht mehr die Interessen des Kindes oder ob das Spielzeug altersgerecht ist, sondern hauptsächlich das Geschlecht.

 

Die Spielzeugindustrie und diverse Fachleute sind der Meinung, die sozialen gesellschaftlichen Rollenmuster beeinflussen unser Verhalten und somit auch eine gewisse geschlechtsspezifische Erziehung, die bereits im Vorschulalter so geprägt wird, dass „Mädchen lieber mit Mädchen spielen“ und die „Jungs lieber mit Jungs“. Und dieses Spielverhalten wird mit dem passenden Spielzeug fortgesetzt und somit bereits früh die gewünschten geschlechtsspezifischen Verhaltensmuster erlernt: Mädchen sollen lieb und gutaussehend sein, Jungs die starken Karriere-Macher. Kulturwissenschaftler sehen die geschlechtlichen Unterschiede als erlernte "soziale Konstrukte" an, Biologen und Hirnforscher sind der Meinung, vieles sei "von der Biologie vorherbestimmt".

 

Wie kommt es dann aber, dass früher (1970er/80er Jahre) beispielsweise Barbie™ einen ansehnlichen Beruf hatte, statt wie heute als „rosa Dummchen“ mit einem Pudel in ihrer Villa am Strand zu sitzen? Oder das LEGO® ein technisches Spielzeug für Jungs und Mädchen war, ohne extra geschlechtsspezifische Figuren- oder Farb- Sortimente?

 

Schon bei den Neugeborenen muss anscheinend unbedingt eine genaue Geschlechter-Zuordnung von außen stattfinden können – anders kann ich mir die vielen Neugeborenen- und Baby-Bekleidungen in strahlendem Pink und Blau nicht erklären.

 

Wenn wir selbst doch längst den ewigen "Geschlechter-Emanzipations-Krieg" überstanden haben wollen, in Zeiten von angenommener Elternzeit für die Väter und „Frauenquote“ für die Führungsebene, wie erklären wir uns dann diesen Rückwärtsgang zu klischeebehafteterem Denken, als es ihn vermutlich vorher jemals gegeben hat?! Die Antwort heißt: „Gender sells!“ … und wir bezahlen es!!!

Marktforscher und Industrie bestätigen, dass sich die spezifischen Produkte einfach besser verkaufen bzw. die Firmen damit mehr Umsatz machen können. Die Genderforscherin Stevie Schmiedel wehrt sich mit ihrer Initiative „Pinkstinks“ gegen diese geschlechtsspezifischen Spielzeuge – wenn man mehr darüber wissen möchte, kann man sich auf der Seite https://pinkstinks.de/ weiter über diese Initiative informieren.

 

Ich persönlich kann (mit Stolz) sagen, dass wir bislang dieses „Problem“ nicht haben, denn meine Töchter spielen sowohl gerne mit ihren LEGO®-Bausteinen, die bunt und nicht rosa sind, als auch mit ihren Puppen und den Autos. Und auch im Kindergarten sind die Jungs genauso fest in ihre Spielgruppe integriert, wie die Mädchen. Und Fußball spielen ist genauso toll, wie in der Küche zu helfen… ich bin der Meinung, dass es, genauso wie in vielen anderen Erziehungs- und Lebensbereichen, auch hier an der eigenen Einstellung der Eltern liegt, was wir unseren Kindern vermitteln, mitgeben, beibringen – sehen wir die Welt vielleicht selbst in „Blau“ und „Rosa“, dann fehlt uns eben auch die „Bunte Perspektive“.

 

Quellen:

Definition „Stereotype“: Zimbardo, P.; Gerrig, J. (16. Aufl., 2004). „Psychologie“, Kapitel 18.3.2., Seite 818; Fröhlich, W. (25. Aufl., 2005). „Wörterbuch Psychologie“, Seite 455 Artikel-Quellen:

http://www.tagesspiegel.de/wissen/interview-stereotype-geschlechterbilder-schaden/1149176.html

http://www.merkur-online.de/welt/geschlechter-stereotype-charlotte-beschwert-sich-lego-3348316.html

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/kulturjournal/pinkstinks103.html

http://www.kompetenzz.de/Aktuelles/Geschlechterstereotype-und-Spielzeug

http://www.welt.de/lifestyle/article106396430/Konsequente-Geschlechtertrennung-im-Kinderzimmer.html

http://www.zeit.de/zeit-magazin/2014/49/spielzeug-gender-marketing

https://pinkstinks.de/


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